So bekommst du deine Studienkosten vom Staat zurück

Studieren wird immer teurer. Rund 30.000 Euro geben Studis aktuell während ihres Bachelor-Studiums zur Finanzierung von Lebensunterhalt und Ausbildung aus. Für einen Master kommen nochmal 20.000 Euro dazu. Hohe Kosten sollten aber nicht von einer akademischen Ausbildung abschrecken. Denn viele Studienkosten kannst du dir vom Staat zurückholen. Hier erfährst du wie.

Studentensteuererklärung anfertigen

Ein Gastbeitrag von Johannes Kral.

Wofür Studenten Geld ausgeben

Nach einer Untersuchung des Deutschen Studentenwerks gaben Studenten in 2013 durchschnittlich 794 Euro im Monat für ihre Ausbildung und Lebensunterhalt aus. Mit rund 300 Euro nehmen die Mietkosten für Studentenbude oder WG-Zimmer den mit Abstand ersten Platz bei den monatlichen Kosten ein. Danach folgen Ausgaben für Verpflegung (165 Euro) und Beförderung (82 Euro). Für Internet/Telefon sowie Lern- und Arbeitsmittel für das Studium werden jeweils gut 30 Euro aufgebracht. Für Party und andere Freizeitaktivitäten bleiben wenigstens noch knapp 70 Euro zu Verfügung.

Studentensteuererklärung Tortendiagramm Ausgaben

Diese Angaben beziehen sich auf Studierende an staatlichen Hochschulen in Deutschland. Wer an einer Privatuni eingeschrieben ist oder ein Auslandssemester macht, muss mit wesentlich höheren Kosten kalkulieren. Hinsichtlich der Mietkosten gibt es in Deutschland zudem starke regionale Unterschiede. Vor allem in beliebten Großstädten wie München, Köln, Frankfurt oder Hamburg klettern die Mietpreise seit Jahren stetig nach oben. Hier müssen Studierende nicht selten mit Monatsmieten von 500 Euro oder noch mehr für ein kleines Zimmerchen rechnen.

Studienkosten per Steuererklärung als Verluste geltend machen

Auch wenn Studieren immer teurer wird, bleibt ein gute Nachricht: An allen Kosten, die eindeutig im Zuge einer Ausbildung entstehen, beteiligt sich der Staat. Als Student kannst du dem Finanzamt jährlich in der Steuererklärung alle Ausbildungskosten als Verluste anzeigen. Wenn du bereits Steuern zahlst, werden deine Studienausgaben sofort steuerlich verrechnet und du bekommst eine Steuererstattung. Wenn du noch keine Steuern zahlst, kannst du dir mit dem sogenannten Verlustvortrag einen Steuerbonus für den Berufseinstieg sichern.

Es gibt natürlich nur dann Geld vom Fiskus zurück, wenn zuvor bereits Steuern an den Staat abgeführt wurden. Da die Mehrheit der Studenten noch keine Steuern zahlt, bietet das deutsche Steuerrecht die Möglichkeit des Verlustvortrags. Hierbei werden in der Steuererklärung alle Studienausgaben, also die Verluste, aufgelistet. Das Finanzamt merkt sich die über die Studienjahre angesammelten Verluste solange, bis du nach dem Studium in einen Job einsteigst und das erste Mal richtig verdienst und entsprechend Steuern zahlst. Dann werden die vorgetragenen Verluste automatisch mit der gezahlten Lohnsteuer verrechnet und du bekommst Steuern erstattet oder musst, im Falle einer Selbstständigkeit, weniger Steuern zahlen. Auf diese Weise gibt es in der Regel mehrere Tausend Euro vom Staat zurück.

Für diese Studienkosten gibt’s Geld zurück

Die Liste an steuermindernden Ausbildungskosten ist lang. Solange nachgewiesen werden kann, dass bestimmte Aufwendungen für ein Studium tatsächlich notwendig waren, können diese in voller Höhe als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Zu den wichtigsten Studienkosten zählen:

  • Semesterbeiträge/Studiengebühren
  • Ausgaben für Auslandssemester oder Praktika
  • Studienfahrten/Exkursionen
  • Fachliteratur/-magazine
  • Fahrtkosten zwischen Wohnung und Uni oder Bibliothek
  • das Drucken und Binden von Seminar-/Abschlussarbeiten
  • technische Geräte wie Laptop oder Drucker
  • Kosten für Sprachtests wie TOEFL
  • Bewerbungskosten für Studiengänge, Praktika oder Nebenjobs
  • Umzugskosten (Transportgebühren, Makler etc.)

Die wichtigsten Studienkosten-Pauschalen

Für viele Kosten verlangt das Finanzamt keine Nachweise, sondern gewährt einfach Pauschalbeträge. Diese Pauschalen können in Teilen auch dann in Anspruch genommen werden, wenn in bestimmten Bereichen überhaupt keine Kosten in dieser Höhe angefallen sind. Relevante Pauschalen für Studenten sind:

  • Arbeitsmittel: Für Schreibutensilien, Ordner, Taschenrechner & Co. gibt es 110 Euro pro Jahr.
  • Fahrtkosten: Für Fahrten zur Uni, Bibliothek, Lerngruppe oder zum Nebenjob gibt es 0,30 Euro pro Kilometer Wegstrecke.
  • Verpflegung: Für jeden Tag Abwesenheit vom Wohnort im Rahmen von Praktikum, Auslandssemester oder Exkursion kann die Pauschale für den Verpflegungsmehraufwand in Höhe von 24 Euro pro Tag beansprucht werden (max. für 90 Tage).
  • Umzug: Neben den tatsächlichen Kosten gibt es eine Pauschale von 730 Euro (in 2016), dies gilt für Umzüge in die Universitätsstadt oder beruflich veranlasste Umzüge.
  • Bewerbungen: 8,50 Euro je klassischer Bewerbungsmappe oder 2,50 Euro pro Online-Bewerbung.
  • Telefon/Internet: Pro Monat können bis zu 20 Euro geltend gemacht werden.
  • Kontoführung: Es gibt pauschal 16 Euro im Jahr.

Die Online-Steuererklärung für Studenten & Absolventen

Es gibt natürlich mehrere Möglichkeiten, um Steuererklärungen für die Studienjahre zu erstellen: die Steuerformulare der Finanzämter, Steuer-CD-ROMs oder seit ein paar Jahren auch verschiedene Online-Applikationen. Das Problem für Studenten ist bei den genannten Alternativen meist, dass sie sich vorwiegend an die breite Masse richten und nicht auf die besondere Situation von Studenten eingehen. Dadurch wird die Steuererklärung für Laien sehr zeitaufwändig und kompliziert.

Studentensteuererklärung

Eine Online-Steuererklärung speziell für Studenten bietet dagegen seit Dezember 2015 die Plattform www.studentensteuererklärung.de. Alle für Studenten relevanten Steuerformulare sind hier in einfache Fragen übersetzt. In wenigen Schritten führt dich das Steuer-Tool durch deine Erklärung. Viele Hilfen und Tipps stellen sicher, dass keine wichtigen Angaben vergessen und damit eine möglichst hohe Steuererstattung bzw. ein hoher Verlustvortrag erzielt werden kann. Momentan ist die Abgabe einer Steuererklärung sogar noch bis zu sieben Jahre rückwirkend möglich. Wenn du also bereits dein Studium abgeschlossen und noch keine Erklärungen für entsprechende Jahre gemacht hast, kannst du dir immer noch deine Kosten zurückholen.

Überrascht? Das Schlusswort von Marie

Unfassbar, was man in der Steuererklärung alles absetzen kann. Wie siehst du das? Gib mal deinen Senf dazu. Ich jedenfalls werde das Tool im nächsten Jahr mal ausprobieren.

Text: Johannes Kral
Bildquelle: Studentensteuererklärung.de / Pixabay und 20. Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks

 

4 Kommentare

  1. Das gilt allerdings nur insoweit, wie es sich nicht mehr um das Erststudium bzw die erstmalige Berufsausbildung handelt. In dem Fall (und der trifft wohl bei den meisten Studenten zu) handelt es sich um Sonderausgaben und dort ist ein Verlustvortrag nicht möglich.
    §9 Abs. 6 und §10 Abs 1 Nr. 7 EStG.

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