Auswandern nach der Uni: #awaywego Teil 2: Neuanfang in Bern

#awaywego Bern

Der Niesen, auf dem ich hier stehe, ist nicht direkt in Bern vorzufinden, jedoch fährt man nur gut eine halbe Stunde bis hierhin

In eine andere Stadt Deutschlands zu gehen oder in ein anderes Land wie beispielsweise in die Schweiz (nach Bern) auszuwandern: Das macht nochmal einen – im wahrsten Sinne des Wortes – meilenweiten Unterschied aus. Doch nach dem Uni-Abschluss darf man sich zurecht die Frage stellen, ob es nicht an der Zeit ist, mutig zu sein und etwas zu wagen. Unter dem Hashtag #awaywego schreibe ich deshalb darüber, wo ich mir vorstellen könnte, zukünftig zu leben. So sind unterschiedlichste Beweggründe dafür, das heimische Nest zu verlassen, zum Beispiel diese hier:

  • ich will andere Kulturen kennenlernen, etwas von der Welt sehen. Eine Reise ist dafür zu kurz. Ich muss das wirklich selbst (er)leben
  • ich möchte mal mein eigenes Ding machen, aus dem Schutzraum Familie austreten. Alleine klarkommen
  • ich möchte eine andere Sprache richtig gut sprechen können
  • eine Auslandserfahrung ist auch gut für zukünftige Projekte in der Heimat
  • ich möchte in einem anderen Klima leben, am Meer oder an den Bergen. Warum nicht dort leben, wo andere Urlaub machen?!

Dann sind da aber natürlich wiederum auch diese Zweifel und Ängste, die dich zurückhalten. Auf diese mag ich gar nicht im Detail eingehen, weil sie das schöne Vorhaben und die wunderbaren Ideen, die man so hat, doch ein bisschen kaputt machen. Ich bin jedenfalls dafür, die Ängste wirklich mal links liegen zu lassen und sich auf die positiven Aspekte zu fokussieren. In diesem Beitrag beleuchte ich die Schweiz und im Speziellen Bern und erzähle, warum diese Stadt mit dem Bären im Wappen eine mögliche Wahlheimat werden könnte.

#awaywego Bern

Schloss Schadau am Thuner See

Die Schweiz: Hier ist’s teurer, aber du verdienst auch mehr

Im Mai habe ich meine Freundin in Bern besucht. Sie lebt dort mit ihrer Familie und hat mich 9 ganze Tage beherbergt. Selbst ist sie ebenso Bochumerin wie ich, lebt dort jedoch nun schon einige Jahre. Die Schweiz ist, so muss man sagen, ein Land, in dem es sich aus finanzieller Sicht betrachtet nicht besonders günstig lebt. Wenn du beispielsweise eine Pizza in einem Restaurant essen gehst, zahlst du dafür (und das ist ein Standardpreis) gerne 28 Franken, was derzeit in € ungefähr auf das Gleiche herauskommt. Bestellst du dazu noch eine Flasche Wein, bist du mit zwei Personen schon ungefähr bei 100 Franken. Ein himmelweiter Unterschied zu den Preisen in Deutschland, wo du so ungefähr bei der Hälfte herauskommst und dann aber auch noch eine Vorspeise und ein Dessert dabei hast. Natürlich kann man seinen Lebensstil aber anpassen und beispielsweise einfach öfter selbst kochen.

#awaywego Bern

Essengehen ist hier etwas Besonderes (Teueres)

Die Verdienste in der Schweiz sind dementsprechend höher. Das schweizerische Mindesteinkommen liegt bei 3500 Franken, ungefähr 5000 Franken verdient man im Durchschnitt (als BerufsanfängerIn mit akademischem Abschluss). Wer sein Einkommen spart und nicht direkt verpulvert, was in der Schweiz ein Leichtes ist, kann später sehr gut in Deutschland davon leben. In der Schweiz hingegen bleibt bei einem „normalen Lebensstil“ am Monatsende weniger als in Deutschland übrig.

Sowas hast du im Pott noch nicht gesehen

Verdienst hin oder her, aber ich finde, dieses Argument sollte nicht ausschlaggebend sein. Ich male mir viel lieber aus, dass ich von meinem Bett aus auf die Berge sehen kann und vielleicht auf einen kleinen See. Wer schon einmal in der Schweiz gewesen ist, weiß: Die Natur hier ist einfach wundervoll. Und ich stelle mir vor, mit meinem Laptop und einem Cappucino Tag für Tag vor einem atemberaubenden Panorama zu sitzen und in der Freizeit zu wandern oder zu klettern.

#awaywego Bern

Ein Cappucino mit Blick auf die Berge

Was ist, wenn ich auf einmal „ein Immi“ bin?

In Teil 1 meiner #awaywego-Reihe hatte ich es ja bereits thematisiert: Kann ich neue Freundschaften schließen, die auf dem Level derer sind, die seit vielen Jahren bestehen? Oder ist es vielleicht auch möglich, dass ich aufgrund meiner Herkunft hier nicht besonders gern gesehen bin? Was ist, wenn ich plötzlich diejenige bin, die als Migrantin gelabelt wird? Freunde von mir, die auch in der Schweiz wohnen, haben davon berichtet, dass es sehr schwierig sei, Anschluss zu finden. „Die Schweizer sind lieber unter sich“. Wiederum andere Bekannte sagten mir, dass es nur darauf ankäme, wie man sich selbst präsentiere. Aber vielleicht muss hier auch ein Unterschied zwischen verschiedenen Städten und den jeweiligen Einwohnern gemacht werden. Zürich ist beispielsweise noch viel internationaler. Womit ich dann eben auch zu besagter Stadt komme, die ich mir angeschaut habe: Bern.

Bern, die schnuckelige Hauptstadt

Als Hauptstadt der Schweiz ist Bern mit seinen knapp 142.000 Einwohnern (im Vergleich: Bochum hat viel mehr als doppelt so viele) eine kleine Stadt. Mein Eindruck ist auch nicht gewesen, dass es sich um eine Hauptstadt handelt, sondern eher um eine süße, schnuckelige, historische Altstadt. Es gibt viele kleine Gassen und von der Straße aus aufklappbare Keller, in denen noch gehaust wird. Uralte Kopfsteinpflaster komplettieren das Bild. Hier über die Straßen zu schlendern und ein Eis zu schlemmen wirkt total entspannend. Außerdem kann man sich eine Menge historische Gebäude ansehen und auch KunstliebhaberInnen werden fündig.

#awaywego Bern

Berner Altstadt

Für dich: Mein kleines, digitales Fotoalbum

Ohne jetzt alle Sehenswürdigkeiten hier aufzuzählen, vermittel ich dir meine Eindrücke gerne wieder in einem kleinen Fotoalbum. Dann kannst du dich selbst von der wunderbaren Natur überzeugen.

#awaywego Bern

Blick vom Niesen ins Tal

#awaywego Bern

Im Rosengarten

#awaywego Bern

Blick über Bern

#awaywego Bern

Der Bär ist das Wahrzeichen von Bern. Hier leben auch zwei Bären in der sogenannten Bärengrotte.

#awaywego Bern

Cupcakes aus dem Cupcake Affair Bern

Die Vorbereitungen zum Auswandern

Bern ist eine hübsche Stadt, die einiges zu bieten hat. Hier zu leben kann unter den richtigen Umständen (du findest einen Job, der dir Spaß macht und nette Leute; du bist in der Lage, dein Geld zu sparen und du kannst dich von deiner Familie und deinen Freunden abnabeln) einen echten Mehrwert bieten. Du solltest dich jedoch bei einem so großen Vorhaben immer gut vorbereiten und zuvor recherchieren, auf was alles zu achten ist. Hier kannst du zum Beispiel schon einmal einiges nachlesen.

Wie gehe ich am besten vor? Erst der Job, dann die Wohnung?

Besonders schwierig ist die Antwort auf die Frage, in welcher Reihenfolge bei der Planung vorzugehen ist, da ja nicht sofort klar ist, ob man einen Job bekommt oder wie lange es dauern wird, eine Wohnung zu finden. Ein Tipp an dieser Stelle: Vorstellungsgespräche per Skype führen oder aus einer Anreise zu einem Gespräch einen kleinen Urlaub machen. Die Kosten für Anreise und Hotel kannst du dir von dem anwerbenden Unternehmen erstatten lassen. Dabei kannst du dir bereits die Stadt ansehen und, wenn du bei deinen Recherchen auch schon interessante Wohnungen in Augenschein genommen hast, einen Termin für eine Besichtigung ausmachen. Von Vorteil ist natürlich, in der Stadt Menschen zu kennen. Du kannst aber auch über Facebook-Gruppen oder Apps mit Standortermittlung Bekanntschaften schließen und dir so wertvolle Hilfe holen (und vielleicht sogar neue Freunde gewinnen).

Du willst in die französisch-sprachige Schweiz?

Kein Ding, dann schmeiß dich selbst am besten direkt ins kalte Wasser. Such dir keine WG mit deutschsprachigen Mitbewohnern, sondern zwinge dich selbst dazu, die Sprache täglich anzuwenden. Learning by Doing war immer noch die beste Methode, um schnellstmöglich Erfolge zu erzielen.

Maries persönliche Meinung: Kann ich mir vorstellen, hier zu leben?

Ich mag die Vorstellung, dass man in Bern im Hochsommer nach der Arbeit seinen schicken Anzug einfach in einen wasserfesten Rucksack packt und in den Fluss springt.

Die Preise sind viel höher als bei uns, dafür ist die Qualität der Lebensmittel aber auch definitiv besser. Insgesamt kann man von einer gesteigerten Lebensqualität sprechen; auch die Natur hat es mir angetan. Die Schweizer sind sehr stolz auf ihr Land und bezahlen lieber zwei- bis dreimal so viel, um es zu unterstützen, als über die Grenze zu fahren und so etwas zu sparen. Wenn man allerdings beispielsweise zum Arzt muss, ist man schnell arm. Und auch Essengehen ist ein Luxus, den man sich sehr selten erlauben kann. Zumindest, wenn man sparen möchte und kein überdurchschnittliches Gehalt verdient.

Ich habe in Erwägung gezogen, auszuwandern. Jedoch haben sich meine Lebensumstände mittlerweile geändert, weshalb ich nun doch nicht mehr so weit aus dem Pott weg möchte 😉 So schnell kann das eben gehen: Grade dann, wenn man etwas Großes plant, kommt alles anders…

#awaywego Bern

Wie sieht das bei dir aus?

  • Planst du, ins Ausland (oder in eine andere Stadt) auszuwandern?
  • Bist du bereits in deine Wahlheimat gezogen?
  • Was war oder ist dabei ausschlaggebend? Job, Liebe oder der Ort selbst?
  • Poste deine Erfahrungen oder Gedanken gerne in die Kommentarspalte oder, wenn du BloggerIn bist,…
  • nimm an meiner Blogparade teil! Unter dem Hashtag #awaywego sammele ich all eure tollen Beiträge hierzu.
  • Lies auch: Athenes Beitrag über Karlsruhe und Wortrisottos Beitrag über Dortmund unter dem Hashtag #awaywego

Fotos: Marie-Christin Graener

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.